Ein Ton verändert die Spannung
Vergleiche die drei Zweiklänge. Der untere Ton bleibt C, nur der obere Ton verändert sich. Höre zunächst, bevor du die Erklärung öffnest.
Was ist ein Tritonus?
Ein Tritonus umfasst drei Ganztöne beziehungsweise sechs Halbtonschritte. Er liegt zwischen reiner Quarte (fünf Halbtonschritte) und reiner Quinte (sieben Halbtonschritte). In der westlichen Musiktheorie gilt er als dissonant: Er kann reibend, instabil oder spannungsvoll wirken. Wie stark du das empfindest, hängt auch von Klangfarbe, Lage, Zusammenhang und Hörerfahrung ab.
Eine Klangdistanz, zwei Schreibweisen
Bei der Grobbestimmung zählst du die Stammtöne. Erst die Feinbestimmung zeigt, welche Quarte oder Quinte vorliegt. Nicht jede Quarte oder Quinte ist ein Tritonus!
Fis und Ges liegen auf dem gleichstufig gestimmten Klavier auf derselben Taste. Deshalb klingen C–Fis und C–Ges hier gleich, obwohl die Notation und die Intervallbezeichnung verschieden sind. Diese Gleichheit heißt enharmonische Gleichheit.
Geht das auch ohne Vorzeichen?
Ja! F–G–A–H umfasst drei Ganztonschritte. Auch ohne Kreuz oder b kann ein Tritonus vorliegen. Wir verwenden deutsche Tonnamen: H bezeichnet die weiße Taste, B das erniedrigte H.
Genau in der Mitte
In der zwölfstufig gleichstufigen Stimmung besteht eine Oktave aus zwölf gleich großen Halbtonschritten. Der Tritonus teilt sie in zwei gleiche Intervalle: 6 + 6 = 12.
Ein Intervall übernimmt eine Funktion
Die starke Dissonanz des Tritonus lässt sich gezielt einsetzen, um Unsicherheit, Bedrohung oder Fremdartigkeit zu gestalten. Ein einzelnes Intervall legt die Bedeutung aber nicht fest: Rhythmus, Klangfarbe, Lautstärke und musikalischer Zusammenhang wirken mit.
Ein Filmbeispiel ist Bernard Herrmanns Musik zu Psycho: Im Stück „The Murder“ treten unter anderem C–Fis und D–Gis auf. Zusammen mit weiteren Dissonanzen und der Spielweise der Streicher tragen sie zur angespannten Wirkung bei.
„Diabolus in musica“ – der Teufel in der Musik?
Der Tritonus ist als „Diabolus in musica“ bekannt, lateinisch für „Teufel in der Musik“. Die Bezeichnung begegnet in musiktheoretischen Schriften der frühen Neuzeit, etwa bei Johann Joseph Fux im 18. Jahrhundert. Sie bezog sich auf problematische Tonbeziehungen und ist nicht als Beweis für eine übernatürliche Wirkung zu verstehen.
In älteren Satz- und Gesangslehren wurden bestimmte dissonante Tonverbindungen vermieden oder nach Regeln behandelt. Daraus entstand später die populäre Erzählung, die Kirche habe den Tritonus im Mittelalter generell verboten. Ein solches pauschales Verbot ist nicht belegt.
Tritonus erkennen
Untersuche den Notentext und höre dir den Zweiklang an. Entscheide: Tritonus oder kein Tritonus?
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C–Fis: Quarte oder Quinte?
Übermäßige Quarte: C–D–E–F sind vier Stammtöne, der Klangabstand beträgt sechs Halbtonschritte.
C–Ges klingt gleich. Warum heißt es anders?
C–D–E–F–G sind fünf Stammtöne. Durch Ges ist die reine Quinte um einen Halbton verkleinert: eine verminderte Quinte.
Quellen und Vertiefung
- Open Music Theory: Intervals – Intervallgrößen und Schreibweisen.
- Tim Summers, Royal Holloway: Bernard Herrmann’s Film Music – Analyse von „The Murder“.
- Autumn Sword: Diabolus in Musica (2022) – historische Einordnung mit Auskünften des Musikhistorikers Thomas Forrest Kelly.
Alle Noten- und Klavierbeispiele auf dieser Seite wurden für den Unterricht erstellt.
